Zugunglück Bad Aibling: “High tech” versagt wieder einmal

Triebwagenzug vom Typ Stadler Flirt der BOB-Marke "Meridian", hier im Bahnhof München Ost. Foto: © Flummi-2011
Triebwagenzug vom Typ Stadler Flirt der BOB-Marke "Meridian", hier im Bahnhof München Ost. Foto: © Flummi-2011

Um 06:44 Uhr heute Morgen sind bei Bad Aibling in der Nähe von Rosenheim zwei Regionalzüge auf eingleisiger Strecke frontal zusammengestoßen. Dabei kamen nach bisher vorliegenden Informationen neun Menschen ums Leben, bis zu einhundert wurden verletzt, etwa fünfzig davon schwer. Ein Sprecher der örtlichen Polizei sagte, daß die beiden Triebwagenzüge “offenbar mit nicht geringer Geschwindigkeit zusammengestoßen” sein müßten.

Die Ermittlungen zur Unglücksursache laufen und werden wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Ob automatische Zugsicherungseinrichtungen versagt haben oder nicht, wird sich im Zuge der Ermittlungen herausstellen. Unabhängig davon läßt sich aber schon jetzt feststellen, daß hier die Technik versagt hat — und zwar in ganz anderer Weise, als es die Stoßrichtung der Ermittlungen sein wird.

Triebwagenzüge, wie jene in das Unglück verwickelten Leichttriebzüge vom Typ Stadler Fllirt, haben keine Lokomotiven und mithin wesentlich weniger Aufprallschutz von vorn. Diese Tatsache allein könnte auf eingleisigen Strecken, auf denen Frontalzusammenstöße eher denkbar sind als auf doppelgleisigen Hauptstrecken, den ums Leben gekommenen Fahrgästen und den Schwerverletzten zum Verhängnis geworden sein. Bei Zusammenstößen konventioneller Zugtypen mit Lokomotive sind die Gefährdungen, außer für die betroffenen Lokomotivführer, wesentlich geringer; die hinter der Lokomotive fahrenden Wagen sind deutlich weniger gefährdet als diejenigen von lokomotivlosen Triebwagenzügen.

Auch wenn die bei der Eisenbahngesellschaft Meridian der Bayerischen Oberlandbahn BOB verwendeten und von dem schweizerischen Waggonbauer Stadler entwickelten Triebwagenzüge viele technische Vorzüge aufweisen, so stellt sich nach den Erfahrungen des Eisenbahnunglücks von Bad Aibling doch die Frage, ob die Verwendung derartiger Zugtypen auf vielbefahrenen eingleisigen Strecken nicht unterbleiben sollte und aus Sicherheitsgründen nicht in diesen Fällen konventionelle Züge mit Lokomotive — wie früher üblich — vorzuziehen wären.

Im Interesse der Sicherheit im Schienenverkehr ist zu hoffen, daß Ermittlungen auch in dieser Richtung angestellt werden, um derartige Unglücksfälle in Zukunft zu vermeiden.

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